Haie

Beschreibung
Haie und Rochen, inklusive der paläozoischen Formen, tragen je fünf offene Kiemenspalten an den Körperseiten. Eine Ausnahme bilden neben den Grauhaiartigen (Hexanchiformes) nur noch die Sechskiemen-Stachelrochen (Hexatrygon) und der Sechskiemen-Sägehai (Pliotrema warenni) mit je sechs oder sieben Kiemenspalten. Während die Knochenfische Elasmoid- oder Ganoidschuppen tragen und deren Zähne aus dem gleichen Material bestehen wie unsere menschlichen Zähne, haben die Haie sogenannte Placoidschuppen, die als Zähne beginnen - und die Zähne breiten sich vom Maul über den ganzen Körper aus. Die Zähne verkleinern sich und werden als Hautzähnchen fortgesetzt. Der Hai profitiert von diesem Körperbau: Es entsteht eine laminare Strömung auf seiner Haut (die Stömung unmittelbar an der Haut verläuft turbulent, ähnlich der definiert turbulenten Luftschicht am Flügel eines Segelflugzeuges hinter dem darauf angebrachten Zackenband), dadurch kann er beim Schwimmen erheblich an Energie einsparen. Anders als die meisten Fischarten haben Haie ein sehr langsames Wachstum und erreichen teilweise erst mit 30 Jahren die Geschlechtsreife.

Die Sinne der Haie

Geruch
Die Geruchssorgane des Hais liegen seitlich vorne an der Schnauze. Das Riechzentrum kann wegen der Wichtigkeit bis zu 2/3 der Gehirnmasse ausmachen. Haie können so Blut in milliardenfacher Verdünnung wahrnehmen. Der Hai wittert seine Beute schon aus großer Entfernung (über 75 m), auch wenn kein anderer Sinnesreiz Informationen liefert. Durch ständige Kopfbewegung ("Pendeln" folgt er dieser Geruchsspur bis zum Ziel. So genannte Schneidersche Falten kanalisieren das einströmende Wasser so, dass die Nasengruben ständig von Wasser umspült werden. Eine Nasengrube ist durch eine Membran nochmals in 2 Abschnitte unterteilt, je eine für ein- und ausströmendes Wasser. Die innere Oberfläche ist gefaltet, wodurch die rezeptive Fläche vergrößert wird. Selbst ein blinder Hai findet so zielsicher sein Futter.

Gehör
Das Gehör ist einfacher ausgeprägt als bei Landtieren. Die Ohren eines Hais befinden sich an beiden Seiten des Gehirnschädels, von außen ist nur eine kleine Pore sichtbar. Das Gehör ist auch für den Gleichgewichts- und Orientierungssinn wichtig. Haie reagieren im Bereich der niederfrequenten Töne, also unter etwa 600 Hertz (zum Beispiel zappelnder Fisch, singende Wale, grunzende Seehunde, kämpfende Fische) und hochempfindlich auf pulsierende Schwingungen im 100 Hz-Bereich, wie sie von kranken oder verwundeten Tieren produziert werden. Haie können tiefere Freqeunzen hören als Menschen. Bereits Schallwellen ab 10 Hertz bis 800 Hertz reichen Ihnen unter Wasser vollkommen aus.

Geschmackssinn
Die Geschmacksknospen befinden sich beim Hai im Gaumenbereich. Der Hai entscheidet beim Beißen, ob eine Beute genießbar ist oder wieder ausgespuckt wird. Über die gesamte Haut des Hais sind auch Geschmacksknospen verteilt, das Anstupsen und Reiben an einer Beute entspricht somit einer Vorverkostung.

Sehen
Die Augen eines Hais sind zehn Mal so lichtempfindlich wie die eines Menschen und die meisten Haiarten besitzen Farbsehvermögen. Durch die an den Kopfseites befindlichen Augen können fast alle Richtungen beobachtet werden. Bei Angriffen schützen Haie ihre Augen durch eine Nickhaut, die sich als drittes Augenlid schützend vor das Auge schiebt, oder durch Verdrehen der Augen nach hinten. Die Zahl der Stäbchen (Schwarz-Weiß Sehen) überwiegt, was die Sehfähigkeit bei schlechten Lichtverhältnissen erhöht. Eine weitere Anpassung an das Dämmerungslicht wird durch das Tapetum lucidum erreicht. Dieses funktioniert wie ein Lichtverstärker durch eine Schicht winziger, spiegelähnlicher Kristalle. Da es hinter der Netzhaut liegt, wirft es das durch die Netzhaut gelangte Licht wieder an die Rezeptoren zurück. In der Dämmerung sehen Haie so sogar besser als Katzen, Wölfe und Füchse.

Seitenlinienorgan
Das Seitenlinienorgan der Haie verläuft von der Kopfregion bis zur Schwanzspitze und es dient wie bei allen Fischarten dazu, kleinste Schwingungen und Druckunterschiede im Wasser festzustellen. Es enthält in Gallerte eingebettete Sinneszellen. Sie sind darauf spezialisiert, Wasserbewegungen, also Druckunterschiede (durch Beutetiere, Gegner oder Hindernisse) entlang der Körperfläche zu registrieren. Der Hai kann aber nur Wasserbewegungen in seiner nächsten Umgebung wahrnehmen.

Elektrische Sensoren
Haie können elektrische Felder wahrnehmen. Jedes Lebewesen produziert durch seinen Herzschlag, Muskelbewegungen oder Gehirnströme elektrische Felder. Die Elektrosensoren der Haie sind die Lorenzinischen Ampullen. Diese einzigartigen Sinnesorgane befinden sich auf der Haut am Kopf der Haie. Der Hammerhai dürfte die größte Anzahl an Lorenzinischen Ampullen aufweisen. Die von außen gut sichtbaren Poren im Schnauzenbereich münden jeweils in einen Kanal im Inneren der Haut, der an einer hochempfindlichen Zelle (=Ampulle) endet. Dort werden die sich im Wasser befindlichen elektrischen Ströme gemessen. Da die Impulse von Beutetieren sehr schwach sind, funktionieren die Elektrosensoren nur im Bereich von einigen 10 cm. Haie sind auch empfindlich gegenüber dem Magnetfeld der Erde, das sie zum Navigieren benutzen. So können sie nach Abwesenheit in bestimmte Regionen wieder zurückkehren.

Fortpflanzung der Haie
Paarungsrituale sind Schwimmen, Beißen, oder gemeinschaftliches Kreisen. Sobald sich die Haie gepaart haben und die Eier des Weibchens im Inneren befruchtet wurden, Haie legen ihre Eier, die zum Schutz vor Raubfischen von einer dicken Hülle umgeben sind, in Felsen oder Seetang ab. Die Jungen schlüpfen einige Tage oder Wochen später und sind dann auf sich allein gestellt. Viele Haiarten sind lebendgebärend. Die Junghaie werden zuerst im Uterus über die Plazenta oder ein Sekret namens Uterinmilch ernährt. Bei einigen lebendgebärenden Arten, wie etwa bei Weißen Haien, ernähren sich die Jungen von anderen Embryonen (Kannibalimus). Die Haijungen sind so weit entwickelt, dass sie gleich nach der Geburt im Meer überlebensfähig sind. Bei eierlegenden Haien entwickeln sich die Embryos, die von einer Eihülle umgeben sind, im Mutterleib und schlüpfen während oder nach der Geburt. Bei dieser Fortpflanzungsart ernähren sich die Embryos vom Dottersack.

Osmoregulation
Haie sind fähig, ihren körpereigenen Salzhaushalt hormonell zu steuern (Osmoregulation). Ihre Körperzellen enthalten wie bei den meisten Säugetieren eine geringe Konzentration an Salzen. Um das Eindringen der meist höheren Konzentration an Salzen aus Meereswasser zu verhindern, lagern sie vermehrt Harnstoff und andere Stoffe in den Zellen ein.

Auftrieb
Die Haie sind Knorpeltiere und somit leichter als knochenhaltige Tiere. Sie haben eine große, ölhaltige Leber, die Ihnen einen gewissen Auftrieb gewährt. Sie besitzen aber keine Schwimmblase, so dass Hochseehaie stets in Bewegung bleiben müssen, um nicht abzusinken.

Lebensraum
Die verschiedenen Haiarten sind in allen Welt-Meeren anzutreffen, jedoch bis auf eine Ausnahme nicht in Seen. Einzig der Bullenhai kommt, ebenso wie der Sägerochen, in einem süsswasserhaltigen See vor, dem Nicaraguasee in Mittelamerika. Dabei können Haie sowohl in Süsswasser leben, wie etwa im Fluss Ganges, als auch in Salzwasser, wie beispielsweise in der Ostsee oder Nordsee. Sie werden oft in Küstennähe gesichtet, da dort Nahrung im Überfluss vorkommt. Sie leben aber außer im flachen Gewässer (Pelagial) auch in Tiefen von bis zu 3600 Metern, im sogenannten Benthal. Einige Rochen und Chimären leben sogar noch tiefer
als 3600 Meter.

17.2.07 17:49

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